Nachgebacken: Apfelkuchen mit Zimt und Tonkabohne

Zuerst habe ich ihn beim Wilden Poulet entdeckt, den toskanischen Apfelkuchen, den sie liebevoll den schäbigen Apfelkuchen nennt. Denn sie hat ihn von der Küchenschabe, die seine Zubereitung hier beschrieben hat. Das Originalrezept stamme von der Trattoria Montagliari in Panzano. Kurz gegoogelt habe ich die Antica Fattoria Montagliari  in Panzano gefunden. Wer sich die Bilder auf der Webseite ansieht, bekommt noch mehr Lust auf diesen köstlichen Apfelkuchen.

Nachdem wir den Kuchen schon vergangenes Wochenende nachgebacken und so schnell verschlungen haben, dass das Blech fast noch warm war, als das letzte Stück genüsslich verspeist wurde, haben wir ihn dieses Wochenende gleich wieder gebacken. Schließlich ist er nicht nur wahnsinnig lecker und wirklich unkompliziert und schnell zubereitet, sondern es ist Apfelzeit, und die will ausgekostet werden.

Viel Apfel, etwas Karamell und Zimt, wenig Teig

Viel Apfel, etwas Karamell und Zimt, wenig Teig

Weshalb aber die gleiche Geschichte nun ein drittes Mal aufwärmen? Selbst die größten Blockbuster bekommen spätestens beim dritten Aufguss einen schalen Beigeschmack. In der Regel ist das so. Und zu jeder Regel gibt es Ausnahmen. Beispielsweise wenn ein neuer Schauspieler frischen Wind in die bisherige Besetzung bringt. Und dieser neue Mime heißt in diesem Fall Tonkabohne.

Nur etwa eine halbe Bohne habe ich dieses Mal mit der Küchenreibe fein gerieben dem Teig beigefügt. Zuerst habe ich befürchtet, dass das sehr exotische und intensive Vanille-Mandel-Aroma der Tonkabohne den feinen Geschmack des Kuchens völlig überlagert.

Tonkabohne gibt dem Apfelkuchen den besonderen Pfiff

Tonkabohne gibt dem Apfelkuchen den besonderen Pfiff

Doch beim ersten, noch lauwarmen Bissen machte sich erst Zufriedenheit, dann Begeisterung breit. Die Tonkabohne hat sich wunderbar in die übrigen Aromen des Kuchens eingefügt, sie stach in keinster Weise hervor. Der Teig jedoch hat einen feinen Geschmack nach Vanille und Mandeln erhalten, der dem ohnehin schon tollen Kuchen noch einmal Extraklasse verleiht. Und deshalb gibt es nun toskanischen Apfelkuchen, Klappe, die Dritte:

ca. 800 g säuerliche Äpfel
Saft einer Zitrone
2 Eier
200 g Backzucker
1 TL Vanillezucker
100 g flüssige Butter
1/2 geriebene Tonkabohne (z. B. mit der Muskatreibe)
100 g Weizenmehl, glatt, Typ 480
1 Handvoll Rosinen
etwas Rum
1 TL Backpulver
100 ml Milch

3 EL Zimtzucker

Überhaupt nicht schäbig: Der Apfelkuchen der Küchenschabe

Überhaupt nicht schäbig: Der Apfelkuchen der Küchenschabe

Die Äpfel schälen, vom Kernhaus befreien und würfeln. Dabei mit Zitronensaft beträufeln, damit sie nicht oxidieren und braun werden. Die Rosinen in etwas Rum einweichen (da Frau Dorothee zum Rosinen verachtenden Teil der Menschheit gehört, war ich mit den Rosinen sehr sparsam). Den Backofen auf 180 Grad (160 Grad Ober-/Unterhitze + Umluft) vorheizen.

Die restlichen Zutaten bis auf den Zimtzucker zu einem Teig verrühren. Auch hier nochmal der Hinweis: der Teig hat die Konsistenz eines Crêpeteigs, er ist also richtig dünnflüssig. Nicht wundern, das gehört so.

Den Teig mit den Äpfeln verrühren, die Rosinen abtropfen und untermischen, und die ganze Masse in eine gebutterte und bemehlte Kuchenform schütten. Es sind deutlich mehr Äpfel als Teig. Durch Rütteln lassen sich die Apfelstückchen und der Teig so verteilen, dass eine einigermaßen glatte Oberfläche entsteht. Und ab in den Ofen damit, und zwar für gut 70 Minuten.

15 Minuten vor Ende den Kuchen kurz aus dem Ofen holen, um ihn mit Zimtzucker zu betreuen, der in der letzten Viertelstunde schön karamellisiert. Wer so wie ich die Kalorien nicht scheut, kann dazu auch noch – wie vom Wilden Poulet empfohlen – ein paar Butterflöckchen auf dem Kuchen verteilen, das macht ihn extra lecker.

Gut schneiden lässt er sich erst, wenn er völlig ausgekühlt ist. Im noch heißen Zustand zermatscht man die karamellisierten Apfelstückchen ein wenig. Trotzdem schmeckt er frisch aus dem Ofen am besten. Pusten nicht vergessen!

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25 Comments

  1. heike 30. September 2012 Reply

    Das Rezept liest sich vielversprechend und vom Zubereitungsanspruch auch für weniger begabte Köchinnen bewältigbar. Nur, wo um alles in der Welt kauft man bitte Tonkabohnen? Sag jetzt nicht „am besten kiloweise im Internet bestellen“ 😉

    • Author
      Dirk Staudenmaier 1. Oktober 2012 Reply

      Hallo Schwesterherz,
      wenn es selbst weniger begabte Köchinnen hinbekommen, dann ist es für DICH ja ein Klacks! 😉 Tonkabohnen bekommst du – wie fast alles – im Internet, und gar nicht kilo-, sondern grammweise. Oder in der Galeria-Gourmet-Abteilung beim Kaufhof, dort hab ich sie her.
      LG Dirk

  2. Wilde Henne 1. Oktober 2012 Reply

    Hey, wunderbares Exemplar hast Du da fabriziert. Und dann noch mit Sahne… das hatte ich bei mir erst auch überlegt, dann aber zugunsten der neuen Jeans dagegen entschieden – die Butter obendrauf musste aber sein 😉 Gell, der Kuchen ist süchtigmachend!
    Tonkabohnen krieg ich bei uns hier in der Kleinstadt eben auch nicht. Ich guck mal, wenn ich demnächst wieder mal in Bern bin…

  3. lamiacucina 1. Oktober 2012 Reply

    oh, Minuccios Apfelkuchen, den kenne ich auch und habe ihn in guter Erinnerung, allerdings ohne Tonka.

  4. Die Küchenschabe 1. Oktober 2012 Reply

    Na super, jetzt muss ich ihn gleich noch mal backen, momentan essen wir immer noch am Wochenend-Gugelhupf :-), aber dann …

  5. Katja 1. Oktober 2012 Reply

    Halleluja! Was sieht der Kuchen lecker aus!!!
    DER ist wahrlich – wirklich nicht schäbig! 😀
    Hallo Dirk,
    na, dass man den Kuchen mehr als einmal nachmacht, das glaub ich wohl!
    Ich werde mir das Rezept gleich mal auf-Pinnen!
    Ich als Apotheken-Mädel habe immer ein paar Tonkabohnen im Haus! Ehrensache – schon alleine wegen dem heißgeliebten Spritzgebäck zur Weihnachtszeit!
    Wir bestellen die Tonkabohnen für einige unserer Kunden. Die nehmen die dann zu 3 oder 5 Stück abgepackt wie die Brennesselblätter, die Kamillenblüten oder die Fenchelfrüchte im Flachbeutel mit Heim.
    Habe selbst noch Kuchen vom WE übrig…. werde aber mal die Zutaten für deinen Apfelkuchen auf den Einkaufszettel schreiben…. nach dem WE ist ja vor dem WE – gell?!
    Ach – und Feiertag haben wir ja auch bald 😀
    zauberhafte Grüße, Katja

  6. Carina 2. Oktober 2012 Reply

    Ohaaa, lecker! Vor ein paar Wochen habe ich mir in einem Anfall von Experimentierfreudigkeit Tonkabohnen gekauft und jetzt stauben sie in meinem Gewürzregal ein, weil mich bisher kein Rezept so richtig angelacht hat. Ich glaube, das hat sich gerade geändert :-)

  7. Sybille 2. Oktober 2012 Reply

    Wenn den jetzt schon alle gemacht haben könnte ich doch auch noch einen backen. Er sieht fantastisch aus und Tonkabohnen hab ich auch! :)

  8. Author
    Dirk Staudenmaier 3. Oktober 2012 Reply

    @ Wilde Henne:
    Die Sahne ist dank des ISIs in Sekunden gemacht, ein toller Beitrag zum einen oder andere Kilo zuviel auf den Rippen… 😉 Der Kuchen ist oberklasse! Den gibt´s glaub ich nun jedes WE :-)
    @ lamiacucina:
    Mit dem Wissen um Giovanni Minuccio Cappelli und nachdem ich gesehen habe, dass du, lieber Robert, den Kuchen schon 2010 gebacken hast, esse ich ihn beinahe mit Ehrfurcht.
    @ Die Küchenschabe:
    Wegen der Tonkabohnen? Bin gespannt wie es dir schmecken wird…
    @ Katja:
    Hallo Katja, ich danke dir! Als Apothekerin hast du natürlich ständigen Zugriff auf manche der nur schwer erhältlichen Zutaten – beneidenswert 😉
    @ Carina:
    Überall, wo du dir Vanille oder Marzipan dazu denken kannst, lässt sich mit Tonka experimentieren.
    @ Sybille:
    Mir scheint, das ist der Pflicht-Apfelkuchen unter den Food-Bloggern. Also kommst du gar nicht drum rum. Du wirst mir bestimmt erzählen, wie er geschmeckt hat :-)

  9. Wilde Henne 4. Oktober 2012 Reply

    So, ich war gestern in Bern und hab nun Tonkabohnen. Jetzt geh ich mal in die Küche und bastle in meiner Mittagspause einen Apfelkuchen.

    • Author
      Dirk Staudenmaier 4. Oktober 2012 Reply

      Aufpassen mit der Dosierung! Die Dinger sind echt intensiv, und wenn du zuviel rein machst, könnte das Aroma schnell zu penetrant werden. Viel Spaß und Erfolg und lass es dir schmecken! Unserer ist schon wieder weg gefuttert…

  10. Wilde Henne 4. Oktober 2012 Reply

    Bin jetzt übrigens Fan von Tonka-Bohnen. Den Apfelkuchen konnte ich dann doch nicht über den Mittag machen, mich hat die Müdigkeit überfallen und ich musste ein Mittagsschläfchen machen. Dafür ist er jetzt im Ofen. Die Bohne hat es ja in sich – ich glaub, die macht süchtig. Bin schon gespannt, wie der Kuchen in gebackener Form schmeckt mit der Bohne – der Teig war jedenfalls schon mal göttlich.

    Noch 40 Minuten… *schonmaleineGabelausderSchubladehol*

    • Author
      Dirk Staudenmaier 4. Oktober 2012 Reply

      Ich bin ja echt gespannt, was du sagen wirst! :-) Reines Tonkabohnen-Eis hab ich übrigens auch schon probiert – kann wirklich süchtig machen…

  11. Wilde Henne 4. Oktober 2012 Reply

    *inOhnmachtfallvorEntzücken*

    Leckerst! Hab mir grad ein wahnsinnig heisses Stück Kuchen einverleibt – ohhh, bin ich froh, hab ich gestern diese Bohnen gekauft. Mit denen experimentiere ich in der nächsten Zeit noch ein bisschen rum.

    • Dirk Staudenmaier 5. Oktober 2012 Reply

      Hoffentlich hast du dir nicht wieder den Gaumen verbrannt 😉 Nun hat dich also auch das Tonkafieber gepackt. Ich freue mich schon auf die Ergebnisse deiner Experimente!!

  12. Julia 6. November 2012 Reply

    Die Idee mit der Tonkabohne gefällt mir. Die erlebt ja derzeit eine Renaissance. Darüber muss ich oft schmunzeln. Denn meine Uroma hat sie häufig in Plätzchen gerieben. Jahrzehntelang stellte das Rezept die gesamte Familie vor die Frage: Wo bekommt man Tonkabohnen her? Mittlerweile kein Problem mehr. Deshalb werde ich wohl mal meinen Apfelkuchen statt mit Zimt mit Tonka machen.

  13. Bolliskitchen 7. November 2012 Reply

    ich muss gestehen, dass ich noch nie Tonkabohnen in Rezepten verwendet habe, mir haben sie bei Desserts in Restaurants nie so den must have Eindruck hinterlassen…..aber torta di mele ist immer gut!

  14. Author
    Dirk Staudenmaier 7. November 2012 Reply

    Liebe Julia, ich habe in meinem Umfeld auch schon öfter die Frage gehört: Tonkabohne – was ist denn das? 😉 Und immer wieder mal liest man DEN Geheimtip: man bekommt sie in der Apotheke! :-) Nimm doch Tonka UND Zimt. Sie vertragen sich gut miteinander.

    Lieber Bolliskitchen, es ist tatsächlich ein sehr ungewöhnlicher Geschmack, und ich kann mir vorstellen, dass ihn nicht jeder mag. Ich dosiere (mittlerweile) sehr zurückhaltend, die Bohne muss sich einfügen, darf nicht dominieren. Finde ich.

  15. uschi deneke 8. November 2012 Reply

    tolle arbeit dirk

  16. Sigi 9. Dezember 2012 Reply

    Gestern habe ich diesen Apfelkuchen mit Tonkabohne zum zweiten Mal gebacken – dabei statt Zimt-Zucker eine “ Florentiner Abwandlung“

    ein Mandelbelag ( der bekannte Becherkuchen) – in den letzten 20 Min. 100g Mandelblättchen mit 60g zerlassener Butter 100g Zucker und 2 Essl. Milch gemischt darauf streichen.

    Hat göttlich geschmeckt – nur vielleicht etwas zu süß – also nächstes in die Apfelmasse nur 100g Zucker

    diese Mandelkruste oben drauf bringt noch eine Knusprigkeit und Biss und harmoniert perfekt mit der Tonkabohne

  17. Hesting 18. Januar 2013 Reply

    Werde ihn wohl auch ohne Tonkabohne nachbacken, da ich mich immer ein bißchen schwer tue damit, Sachen nur für ein Rezept einzukaufen und dann herumliegen zu haben.
    Tolles Rezept, mein Zahn tropft schon!

  18. Tini 24. Januar 2014 Reply

    Ich bin auf der Suche nach einem Kuchenrezept mit Tonkabohne
    im Internet auf dieses Apfelkuchenrezept gestoßen… Was soll ich
    sagen? Einfach super super lecker!!!!
    Toller abgerundeter Geschmack, was wohl auch an der Tonkabohne liegt.
    Meine Familie und ich haben den Kuchen unter vielen „Hmmm wie lecker“
    noch lauwarm verschlungen.
    Super finde ich auch, das die Äpfel dominieren und vergleichsweise
    wenig Teig verwendet wird.
    Diesen Kuchen wird es jetzt öfter geben. Vielen Dank!!!

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