Eine türkische Spezialität: Poğaça

Es ist Brauch bei mir im Job, dass wer Geburtstag hat, für die Kollegen etwas zu Essen mitbringt. Meist selbst gebackenen Kuchen, manchmal ganz tolle Kreationen, manchmal auch einfach „nur“ süßes Gebäck vom Bäcker; ein jeder wie er kann und will. Ich habe mich dieses Jahr für Muffins entschieden, aber ich wollte auch etwas Salziges mitbringen. Auf der Suche nach der passenden Idee bin ich in einem Thermomix-Rezeptheftchen auf Pocas, „türkische Hörnchen“ gestoßen. Das gefiel mir, und so habe ich einen halben Sonntag Nachmittag Hörnchen gerollt und geflucht. Die Teigstücke waren ziemlich klein und „verletzlich“ und das ganze damit eine ziemlich mühevolle Arbeit. Geduld gehört nicht zu meinen Stärken.

Als ich dann am nächsten Tag einem befreundeten Kollegen türkischer Abstammung beim Mittagessen von meinen Pocas erzählte, hat er nicht ganz verstanden, von was ich da sprach. Erst nach detaillierter Beschreibung hellte sich sein Blick auf einmal auf, und er rief: „Ach, Poğaça meinst du“! Was für meine Ohren so ähnlich wie „Boatscha“ klang. Warum die Thermomix-Rezeptheft-Autoren aus Poğaça Pocas gemacht haben, weiß der Geier. Ich jedenfalls stehe auf Authentizität.

Poğaça: Es gibt vielleicht so viele unterschiedliche Rezepte wie türkische Mamas

Poğaça: Es gibt vielleicht so viele unterschiedliche Rezepte wie türkische Mamas

Mein Kollege und Freund war dann auch mit der Füllung nicht ganz einverstanden. Hackfleisch zusammen mit Feta hätte zwar gut geschmeckt, aber türkisch sei das nicht. Original entweder Hackfleisch, oder Feta. Auch das Ras el-Hanout, mit dem laut TM-Rezept die Hackfleisch-Hörnchen ein „orientalisches Aroma“ bekommen, habe darin nichts verloren. Einfach Salz, Pfeffer, vielleicht etwas Paprika, und Petersilie. Fertig. Und Hörnchen bastelt keine türkische Mama für ihre Großfamilie. Viel zu stressig. Einfach runde Teigstücke, Füllung in die Mitte und umklappen. Ein ziemlich langes Gesicht habe ich gemacht. Deshalb nun die original türkischen Poğaça.

Für den Teig:

100 Gramm Milch
1/2 Würfel Hefe
2 Eier
100 Gramm Öl
130 Gramm Quark
500 Gramm Mehl
1 TL Salz
Sesam und Schwarzkümmel zum Bestreuen

Feta-Füllung:

200 Gramm Feta aus Schafsmilch
Petersilie

Hackfleisch-Füllung: 

1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
Olivenöl
250 Gramm Hackfleich vom Rind
Paprikapulver
Meersalz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Petersilie

Poğaça, eine türkische Spezialität

Poğaça, eine türkische Spezialität

Hefe in der lauwarmen Milch auflösen. Eier trennen, Eigelb für später aufbewahren (wird zum Bestreichen verwendet). Eiweiß, Öl und Quark zur Milch geben und glatt rühren. Mehl und Salz zugeben und zu einem Teig kneten. Abgedeckt an einem warmen Ort 30 Minuten gehen lassen. Ich stelle die Teigschüssel immer in den Backofen, und schalte für eine Minute Umluft dazu. Das reicht, um für den Teig perfekte 30 Grad zu bekommen.

Petersilie fein hacken. Feta fein zerbröseln und mit der Petersilie vermischen.

Zwiebel und Knoblauch fein würfeln und im Olivenöl bei milder Hitze glasig dünsten. Hackfleisch zugeben und bröselig anbraten. Mit Paprikapulver, Salz und Pfeffer würzen. Petersilie fein hacken und zugeben.

Backofen vorheizen, Ober-/Unterhitze 200 Grad, Umluft 185 Grad.

Teig in drei Teile teilen, jedes Teil zu einer länglichen Rolle formen und diese mit einem Messer in jeweils 8 Stücke teilen. Jedes Teigstück auf einer glatten Unterlage (bei mir immer das Kochfeld, unheimlich praktisch!) rund auswellen, in die Mitte entweder Feta- oder Hackfleischfüllung geben, hälftig umklappen und den offenen Rand etwas zusammen drücken.

Poğaça auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen, mit Eigelb bestreichen und mit Sesam und Schwarzkümmel bestreuen. Im vorgeheizten Backofen 15 bis 20 Minuten backen. Ergibt 24 Stück. Wer sie kleiner mag, macht einfach vier Rollen à 8 Stück.

6
7

7 Comments

  1. lamiacucina 1. August 2012 Reply

    Pogatschen sind mit den Türken auch zu uns gekommen.

    • Author
      Dirk Staudenmaier 1. August 2012 Reply

      Ich werd‘ verrückt. Davon hab ich noch nie gehört. Und nun dank deines Hinweis auf Wikipedia gelesen, das beides ethymologisch vom lateinischen focacia abstammt, und damit die gleiche Herkunft wie das italienische focaccia hat. Und ich hab mein nächstes Projekt: burgenländische Grammelpogatscherl. Danke Robert!

  2. Petra 7. August 2012 Reply

    Deine Hörnchen sehen aber super aus. Naja ich habe bei türkischen und orientalischen Gerichten oft das Gefühl, dass hier die Hausfrau beschäftigt werden soll, aber wenn die die vereinfachte Form machen, erklärt das ja einiges. Muss mal schauen, ob ich soviel Geduld dafür habe.
    Und schön, deinen Blog gefunden zu haben!
    Grüße aus Franken :-)

  3. Author
    Dirk Staudenmaier 8. August 2012 Reply

    Hallo Petra,

    das einzig aufwändige war wirklich diese Hörnchen-Dreherei. Die vereinfachte Form geht ziemlich schnell. Falls Freunde auf ein Glas Wein vorbei kommen, eine passende Knabberbeilage. Danke für deinen Besuch und viele Grüße aus Schwaben nach Franken! :-)

  4. Sanne Andy 13. November 2012 Reply

    Türkisch … Griechisch … auf jeden Fall mediterran!
    Genial zu kleinen Zusammenkünften mit Freunden, gutem Wein oder Ouzo / Raki … und auch für meine Kids immer ein Treffer. Toll beschrieben und ja, es geht ganz leicht!
    Danke – LG Sanne

    • Author
      Dirk Staudenmaier 15. November 2012 Reply

      Lieber Andy, alleine schon der Duft, der die Wohnung durchzieht, wenn man die Teile aus dem Backofen zieht, ist der Spass wert! :-) Lieben Gruß, Dirk

  5. uda 16. November 2012 Reply

    Ohhh, ich habe die Zutaten im Haus! Wird sofort nachgekocht! Eine schöne Seite hast du, macht Spaß zu stöbern (hab sie erst heute entdeckt … peinlich..)

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*