Selbst gemachter Tofu

 

Auf beyondkimchee.com schreibt Holly, dass ähnlich wie Käse ein Erbe Europas (und auch der zentralasiatischen Nomaden) ist, so sei Tofu das Erbe Chinas. Auch wenn es für manche seltsam klingen mag, sie könne die Liebe des Schöpfers dieser Erde spüren, mit der er der Menschheit die Weisheit geschenkt hat, eine seiner Schöpfungen, die Sojabohne, in eine andere, nämlich in Tofu zu verwandeln. Tofu sei für die meisten Asiaten DAS Nahrungswunder und deshalb sollen wir es voller Dankbarkeit genießen.

Bei tomatenblüte habe ich es zuerst gesehen, und dann beim magentratzerl. Und alle haben es bei missboulette abgekuckt. Neugierig habe ich gelesen und gestaunt. Ich, der weder mit vegetarischer oder veganer Ernährung noch mit asiatischer Küche viel am Hut hat. Ich habe es nun auch getan. Tofu selbst gemacht. Es passt irgendwie hervorragend zu meinem aktuellen Vorhaben, etwas Winterspeck abzubauen. Low fat und low carb rules.

Tofu selbst machen ist ein riesen Spaß. Und es ist easy! Es geht wirklich flott von der Hand und vorausgesetzt, es finden sich nun noch ein paar leckere Gerichte, in denen ich Tofu verarbeiten kann, werde das von nun an öfter machen. Ich verzichte hier auf detaillierte Erläuterungen zur Herstellung, da sie bei misboulette ausführlich beschrieben ist und du sie dort nachlesen kannst.

Tofu herstellen leicht gemacht

Ein paar Zusatz-Infos habe ich aber noch für dich. Ich rate dazu, sich gleich das richtige Werkzeug zuzulegen. Die Vorstellung, den Tofu in einem Haarsieb zu pressen, hat mir nicht behagt und so habe ich mir diese Tofupresse besorgt. Wenn du sowieso öfter Tofu isst und daher wahrscheinlich nicht nur Kleinmengen verbrauchst, dann ist es gut investiertes Geld, sich gleich zwei Pressen zu kaufen.  Auf dieser Seite findest du übrigens auch Bio-Sojabohnen und Nigari, eines der möglichen Gerinnungsmittel, so dass du gleich mit einem „Starterkit“ loslegen kannst.

Zur Dosierung von Nigari habe ich wenig Informatives im Netz gefunden. Pro 100 g Ausgangsmaterial (getrocknete Sojabohnen) habe ich einen knappen Teelöffel der Salzkristalle in etwas Wasser aufgelöst und dann zur erhitzten Sojamilch gegeben. Erst ein Drittel, umrühren und drei Minuten warten, dann das zweite Drittel, diesmal nur in der oben Topfhälfte rühren und wieder drei Minuten warten, schließlich das restliche Nigari und wieder alles umrühren. Nach weiteren drei Minuten ist alles schön geronnen und kann gepresst werden.

Wenn du zuviel Nigari verwendest, kann der Tofu bitter werden. Bei der verwendeten Menge konnte ich davon aber nichts feststellen und gleichzeitig war die Gerinnung perfekt. Also kannst du dir diese Faustregel merken: Bei nach der Rezeptur von missboulette hergestelltem Tofu kommt auf 100 g getrocknete Sojabohnen ein (nicht gehäufter) Teelöffel Nigari.

Kein Abfall: Okara

Nach dem Pressen übrig bleibt das sogenannte Okara, das Pressgut. Okara ist kein Abfall, sondern Kraftnahrung und äußerst gesund. Es enthält viele verdauliche und unverdauliche Ballaststoffe, Protein, Kalzium, Kupfer, Selen und Mangan, dafür aber wenig gesättigte Fettsäuren und sehr wenig Cholesterin und Salz. Es ist sogar nahrhafter als Sojamilch oder Tofu.

Der Nachteil von Okara ist, dass es quasi nach nichts schmeckt und wegen des hohen Wasseranteils sehr schnell verdirbt. Man muss es also möglichst am gleichen Tag weiter verarbeiten oder irgendwie haltbar machen. Einfrieren ist die leichteste Methode der Haltbarmachung, aber für die Weiterverarbeitung perfekt ist getrocknetes Okara.

Auf dem Foto oben seht ihr das frische, noch feuchte Pressgut, wie ich es auf ein Backblech geschüttet habe. Fein verteilt durfte es im Backofen bei 60 Grad Umluft ca. 6 – 7 Stunden trocknen, dabei immer wieder wenden und weiter zerbröseln. Völlig getrocknet wird es ein wenig klumpig, daher habe ich es anschließend im Mixer zu feinem Pulver vermahlen. Nun wartet es in einem luftdicht verschlossenen Schraubglas auf seine weitere Verwendung. Ich werde davon berichten.

1
22

22 Comments

  1. Claudia 3. März 2013 Reply

    Super geworden! Tofu steht auch schon lange auf meiner Make-Your-Own-Liste.
    Bei der Presse würde mich interessieren, ob die BPA-frei ist. Steht dazu irgendetwas auf der Verpackung oder in der Anleitung? Ist die Presse sehr biegsam oder starr & fest?

  2. tomatenblüte 3. März 2013 Reply

    Kauft sich gleich eine Presse..manno.
    Ich hantiere aktuell mit einem Wäschebeutel.
    Deine Links werde ich nachher mal abarbeiten.
    Mit dem Tofu und deinem TM kannst du wunderbare Eiweißdrinks (und Nachspeisen) zaubern und dein Okara ist ein tolles Eiweiß- und Ballastpulver.
    In vier Wochen siehst du aus wie ein junger Gott….rank und schlank..
    :)

  3. DirkNB (@dirknb) 3. März 2013 Reply

    Bei allem Respekt vor der experimentellen Küche, aber warum ist es notwendig, sowas zu machen? Irgendwie verstehe ich es nicht. Es gibt wohl kaum gentechnisch unverändertes Soja, es ist kein regionales Produkt und es soll östrogene Wirkungen im Körper haben, nicht umsonst kennen Frauen in sojabohnenverzehrenden Regionen kaum Wechseljahresbeschwerden.

    Mit regionaler, natürlicher und naturnaher Ernährung hat das relativ wenig zu tun. Und wenn man sich die Erzeugerregionen ansieht, kann man auch zu Weihnachten Erdbeeren essen oder im Februar Tomaten. Ich verstehe es nicht, aber das habe ich oben schon geschrieben.

  4. Kitty Wu 3. März 2013 Reply

    Oh, das ist ne tolle Idee, muss ich auch unbedingt mal ausprobieren! Und mit so einer Tofupresse am Start wirkt das natürlich sehr professionell! 😉

  5. missboulette 3. März 2013 Reply

    ist dir toll gelungen, dirk. und so schnell verbloggt – alle achtung. nigari als salzkristalle habe ich noch nicht verwendet. kenne gansu/nigari nur als fluessiges konzentrat. bei magnesiumchlorid als kristalle nehme ich 7 g auf 100 g bohnen (getrocknet), alles in ca. 50ml wasser aufgloest. gebe die loesung aber auch nur nach und nach,d.h. nicht immer alles. am besten ist so wenig wie moeglich, soviel wie noetig fuer die beste konsistenz. aber bei dir hat ja alles auf anhieb gepasst. haarsieb „pur“ wuerde ich auch nicht empfehlen, unbedingt mit mulltuch oder gaze. 😉

  6. tarotwelt 4. März 2013 Reply

    Das sieht gut aus. So eine Tofupresse werde ich mir anschaffen. Dann wird es ausprobiert. Danke für das Rezept.

  7. magentratzerl 4. März 2013 Reply

    Du auch Dirk :-)
    Aber deswegen gleich eine Tofupresse anschaffen 😉
    Da bin ich aber gespannt, was Du mit dem Okara anstellst.

  8. Author
    Dirk Staudenmaier 5. März 2013 Reply

    Liebe Claudia, sorry, darüber hab ich keine Info gefunden. Sie ist aber sehr starr und fest. Was sagt uns das jetzt? :-)

    Liebe Sybille, da ich eh die Sojabohnen im Netz bestellt habe und es dort so eine Presse hab, habe ich die gleich mitbestellt. Ich denke, die taugt auch gut zum Käsen (was ich auch irgendwann tun will). Der TM ist natürlich perfekt für sowas. Das Okara hat fast die Textur von Mehl. Mit Soja“zeugs“ hab ich ansonsten noch sehr wenig Erfahrung, ich steh sonst ja eher auf Deftiges. Aber man soll ja offen sein für Neues 😉 Übrigens, 2 kg hab ich schon. Noch 13….

    Lieber Dirk, die verwendeten Sojabohnen wurden in Österreich angebaut und geerntet, und sind nicht nur „gentechnik-frei“, sondern auch noch aus biologisch nachhaltiger Landwirtschaft. Alles andere hätte mir auch nicht gepasst, denn dann lohnte sich der Aufwand des Selbstmachens wohl kaum. Übrigens ist in der EU, zu der Österreich gehört, zwar der Verkauf von gentechnisch veränderten Sojaerzeugnissen kennzeichnungspflichtig erlaubt, der Anbau aber streng verboten. Was in der EU angebaut wird, darf sich deshalb rühmen, gentechnisch unverändert zu sein und erzielt gerade deshalb auch deutlich höhere Preise als im Weltmarktdurchschnitt (sonst würde sich der Anbau in solch kleinem Rahmen wohl auch kaum lohnen). Also, lieber Dirk, ich kann dich beruhigen: es ist gentechnisch unverändert, es ist ein quasi regionales Produkt, und von der östrogenen Wirkung, versichere ich dir, spüre ich bis jetzt noch nichts. Also regional, natürlich und naturnah.

    Alles wieder gut? :-)

    Liebe Kitty Wu, es macht mit „professionellem Gerät“ einfach mehr Spaß, also mir zumindest. Und naja, das Teil kostet 17 Euro. Ich fand´s gut investiert 😉

    Liebe missboulette, ich danke dir, und auch für die Zusatzinfos hier! :-) Die Gerinnung mit dem Nigari hat – wie du sagst – glücklicherweise gleich auf Anhieb hingehauen, daher bin ich sehr zufrieden und bleibe dabei. Bitter war der Tofu auch kein bisschen, also perfekt. Mir war er nur etwas zu fest, aber das nächste Mal weniger Gewicht (hatte meinen schweren Mörser verwendet) und paar Minuten weniger.

    Liebe(r) tarotwelt, viel Erfolg dabei!

    Liebes magentratzerl, ich auch?? Was denn? Ach ja, ich bin halt so 😉 Hab mir ja beim ersten Mal Wursten auch gleich ne Wurstmaschine zugelegt. Du weißt doch, wir Männer und unsere Gadgets. Wir sind doch auch in der Lage, uns für 13 qm Vorgarten-Rasen einen Aufsitzmäher zu kaufen… 😉

    • DirkNB 5. März 2013 Reply

      Ich bewundere Deine Konsequenz und Umsicht, du wirst aber zugeben müssen, dass Du da nicht unbedingt zur breiten Masse gehörst,. sondern schon eine gewisse Ausnahme darstellst …

      • Author
        Dirk Staudenmaier 6. März 2013 Reply

        Für den einen oder anderen Foodblogger/in hier würde ich mich verbürgen, dass sie das genauso handhaben, aber du hast leider Recht, zur breiten Masse gehöre ich damit wohl nicht.

  9. magentratzerl 6. März 2013 Reply

    Oh Dirk…..unser Sohn fände einen Aufsitzmäher für unsere …lass mich rechnen…30 ? qm Rasen auch cool. Aber jetzt musst Du ja jedenfalls noch Käse machen :-)

    • Author
      Dirk Staudenmaier 6. März 2013 Reply

      Na, da habt ihr doch schon eine Idee für das nächste Geburtstagsgeschenk :-) Käsen möchte ich schon lange. Ich bin ja so ein Selbermachen-Fan. Bin gespannt, was daraus wird. Du wirst es sicher hier nachlesen können, sobald ich es getan habe 😉

  10. lamiatrattoria 7. März 2013 Reply

    Wow sieht super aus, Kompliment! Irgendwie hätte ich nicht gedacht, das du gerne Tofu isst, du als Meister des Gulasch… 😉

    • Author
      Dirk Staudenmaier 7. März 2013 Reply

      Liebe Verena, „gerne essen“ wäre auch leicht übertrieben. Hier geht gerade so eine Tofu-selber-machen-Welle rum, und bei sowas mache ich immer gerne mit. Ich glaube, ich habe dabei das erste Mal Tofu gegessen 😉 Aber bestimmt nicht das letzte Mal… Man entwickelt sich ja weiter – ich sicher nicht zum Veggy, aber so ab und zu mal bisschen Tofu auf koreanische Art, das ist drin! 😉

      • Joan 10. März 2013 Reply

        Hi Dirk! Ich lese seit einiger Zeit mit Begeisterung dein Super-Blog und lerne vieles dazu. Zur Tofu folgendes: auch mit Zitronensaft kann man leckerer Tofu herstellen, wird allerdings weniger fest wie mit Nigari. Kommt den sgn. „silken tofu“ aber näher. Dieser Tofu ist herrlich wenn weiter verarbeitet in Tofu-Naise (Mayonaise ohne Ei), Bratlingen, Desserts etc. Mit dem TM alles ein Traum, ratz-fatz gemacht.
        Zu Okara: ich habe ein tolles Rezept für Okara-Bällchen süß-sauer was ich demnächst posten werde in meinem Blog (bin noch Blogger-Baby) LG aus München nach Stuttgart (wo ich 20 Jahre gewohnt habe), Joan

        • Author
          Dirk Staudenmaier 12. März 2013 Reply

          Vielen Dank, liebe Joan, für deine Tipps! Besonders auf die Okara-Bällchen bin ich sehr gespannt! Und ein extra Gruß aus dem verregneten Stuttgart nach München! :-)

  11. Zuckerschnute 14. März 2013 Reply

    Wow, eine super Idee! Ohne Deinen Beitrag hätte ich mich nie getraut, Tofu mal selber zu machen, jetzt muss ich es unbedingt mal ausprobieren.. vor allen Dingen als Vegetarierin sehr interessant..
    lg Zuckerschnute

  12. Jasmin 26. März 2013 Reply

    Selbstgemachter Tofu ist eine Sache, die ich mal unbedingt ausprobieren muss, vor allem das Nebenprodukt Okara hat mein Interesse geweckt und hört sich nach einem prima Nahrungsergänzungsmittel an. Ich dachte immer, dass die Tofu-Produktion sehr aufwendig und kompliziert sei, doch selbst in den „kommerziellen Produktionsstätten“ wird Tofu auf die selbe Weise hergestellt, wie die hier Vorgestellte :)

  13. Christinamachtwas 12. Mai 2013 Reply

    Ich, seit mitlerweile 8 Jahren Vegetarierin, habe mich noch nie an die Tofuherstellung getraut. Aber ich bin ja auch erst seit kurzem blogtechnisch unterwegs – vielleicht ändert sich das noch. Du hast mich auf jeden Fall neugierig gemacht!

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*