Low Carb: Lauch-Hack-Pfanne

Das nahende Frühjahr ist die Zeit, in der viele von uns mit bestürztem Blick auf die Waage feststellen, dass sie sich in den vergangenen grauen Wintertagen wohl ein paar Mal zu oft mit leckeren, gehaltvollen Eintöpfen und Schmorgerichten über die nasskalte Witterung hinweg getröstet haben. Bei Inventur des Kleiderschranks realisiert man die Folgen. Die tollen T-Shirts, der schicke Bikini oder das zuckersüße Sommerkleidchen haben ausgedient, wenn nicht… Wenn nicht der Leibesumfang schleunigst um ein paar Zentimeter reduziert wird. Doch wie wird man die Pfunde wieder los?

Doch bevor wir uns dieser Frage stellen, ist eine noch viel wichtigere Frage zu beantworten. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Ich rede nicht von den zwei oder drei Kilo, die man sich im Winter hingefuttert hat, in dem es nun einmal gemütlicher zugeht als im Sommer, und die man im Frühjahr mit ein paar sportlichen Aktivitäten fast nebenbei wieder los wird. Ich rede von den 15 Kilo, die ich die letzten drei Jahre sukzessive zugelegt habe und dafür sorgen, dass ich mich einfach nicht mehr wohl fühle.

Kohlehydrate im Überfluss

Wieso esse ich mehr, als mein Körper offensichtlich benötigt? Wenn ich die Frage nicht löse und nach Erreichen meines Idealgewichts genauso weiter mache wie bisher, kann ich mir den Stress des Abnehmens genau so gut sparen. Dabei kenne ich die Antwort – zumindest ansatzweise – schon seit langem. Fett ist gar nicht das große Problem, außer wir ernähren uns tagtäglich von Fastfood. Das mache ich aber nicht. Ich lege grundsätzlich großen Wert auf gesunde, frische, möglichst nicht industriell bearbeitete Lebensmittel.

Das Problem ist ein anderes: ich nehme zu viele Kohlehydrate zu mir. Beim gemeinen Schwaben muss der Teller mit Spätzle voll sein. Und weil´s so schmackofatz war, gibt´s mindestens noch einen Nachschlag. Und wenn es keine Spätzle sind, dann eben Nudeln, Kartoffeln, Reis oder Brot. Und ergänzt wird dies durch Kuchen und Süßigkeiten aller Art. Und und und… Dass dies zuviel des Guten sein muss, schwant einem eigentlich schon, auch ohne die genauen Zusammenhänge zu kennen. Genauso schnell verdrängt man den Gedanken aber auch wieder, denn das Zeugs ist doch sooo lecker!

Vor einigen Tagen saß mir meine Kollegin beim Mittagessen gegenüber, auf ihrem Teller tolle, goldfarbene Kroketten in leckerer Bratensauce. Auf meinem Teller ein Stück nacktes Fleisch und ein paar Blatt Salat. Es schmeckte lecker, keine Frage. Doch beim Blick auf die Kroketten meiner lieben Kollegin wurde bei mir ein unbändiges Verlangen nach ihnen ausgelöst, ähnlich dem Verlangen eines Rauchers nach einer Zigarette. Und der Vergleich hinkt nicht etwa, sonders trifft genau ins Schwarze.

Früher Überlebensstrategie, heute Dickmacher

Unsere Vorfahren in der Savanne Afrikas fuhren nicht eben mal zum Supermarkt, um den Vorratsschrank mit Brot, Nudeln und Süßkram aufzufüllen. Eiweiß- und Fettbedarf wurde überwiegend durch (Wild-)Fleisch gedeckt. War die Jagd erfolgreich, war es im Überfluss vorhanden. Kohlehydrate aber mussten mühsam gesammelt werden. Haben unsere Vorfahren dann mal ein paar süße Beeren gefunden, wurden so viele wie möglich gegessen, um die Glykogenspeicher im Körper aufzufüllen. Diese Energiedepots in den Muskeln liefern die schnell abrufbare Power, die damals überlebenswichig war, um vor Säbelzahntigern oder Keulen schwingenden Zeitgenossen davon zu rennen.

Das menschliche Gehirn hat über die lange Zeit der menschlichen Entwicklungsgeschichte diese für das Überleben essentielle Suche nach Fruchtzucker und anderen Kohlehydraten in seinem Belohnungszentrum fest abgespeichert und damit sicher gestellt, dass bei unseren Vorfahren beim Anblick und Duft beispielsweise süßer Beeren ein starkes Lustgefühl ausgelöst wird, und das Nachgeben dieser Lust ein Gefühl großer Befriedigung verspricht. Bei den Rauchern unter uns klingelt was? Dieses starke Lustgefühl nach einer Zigarette und die Befriedigung, die man verspürt, sobald man der Lust nachgeben darf?

Vom eigenen Gehirn überlistet

Das Belohnungszentrum in unserem Gehirn funktioniert jedenfalls heute noch immer wie damals in der afrikanischen Savanne. Und beim Blick auf kohlehydrathaltige Lebensmittel, erst recht bei vor Zucker strotzendem Süßkram werden genau diese Lustgefühle in uns ausgelöst, ohne dass dir uns mir das überhaupt bewusst ist. Unser Gehirn sagt uns: Haben will, soviel wie möglich, weil überlebenswichtig!

Im Gegensatz zu unseren Vorfahren der afrikanischen Savanne haben wir heute aber Zugriff auf Kohlehydrate im Überfluss, und stopfen sie tagaus tagein in uns, als gäbe es kein Morgen. Denn genau das befiehlt uns unser Belohnungszentrum. Und dabei müssen wir heutzutage im Allgemeinen weder vor Säbelzahntigern noch vor Keulen schwingenden Stammesbrüdern Reißaus nehmen.

Von der Natur ebenfalls schlau eingerichtet, in unserer modernen Zivilisation aber fatalerweise überflüssig: sobald die Glykogenspeicher aufgefüllt sind (und so viel passt da gar nicht rein), werden die überflüssigen Kohlehydrate als Notreserve direkt in unseren Fettzellen abgelegt. Zucker und Stärke werden in Fett umgewandelt und landen auf unseren Hüften für schlechte Zeiten, die in unserer Wohlstandszivilisation nie kommen werden.

Low Carb: aller Anfang ist schwer

Ich will hier keine Diskussion entfachen über Sinn und Unsinn der Vielzahl von Diäten, die es am Markt gibt. Manche davon haben sicher Hand und Fuß, aber dennoch gleichzeitig wie alles im Leben auch ihre Nachteile bzw. berechtigte Kritikpunkte. Den meisten Versprechen stehe ich äußerst skeptisch bis ungläubig gegenüber. Doch der eingangs beschriebene Sachverhalt erscheint mir logisch und nachvollziehbar.

Die Gewichtsreduzierung durch Verzicht auf Kohlehydrate hat viele Namen, berüchtigt bis verteufelt ist sie beispielsweise als Atkins-Diät in die Geschichte eingegangen. Ungesund soll sie vor allem sein. Wenn man ein paar Dinge beachtet, stimmt das aber nicht. Wichtig ist, dass man sehr viel trinkt (3 – 4 Liter am Tag) und darauf achtet, genügend Vitamine zu sich zu nehmen. Letzteres kann bei ganz strengem Kohlehydratverzicht sogar bedeuten,  ein paar Vitamintabletten einwerfen zu müssen. Ich persönlich mag das aber gar nicht, sondern nehme es lieber nicht ganz so streng und esse dafür ein paar Blättchen Salat oder Stückchen Gemüse extra (die auch Kohlehydrate enthalten, man will´s kaum glauben).

Nach zwei Wochen und fünf Tagen habe ich nun fünf Kilo abgenommen. Und die erste Woche war hart. Bis der Körper nach 5 bis 7 Tagen auf ketogenen Stoffwechsel (davon ein andermal mehr) umstellt, ist man schlapp, antriebslos und würde am liebsten alles hinschmeißen. Mittlerweile geht´s mir aber blendend. Und du glaubst nicht, wie satt und glücklich man nach 200 Gramm Lachs mit ganz viel Nichts sein kann. Und die Tage, an denen du ein Festessen wie die Lauch-Hack-Pfanne auftischen darfst, erscheinen dir gar wie Weihnachten und Ostern zusammen.

 

Low Carb: Lauch-Hack-Pfanne
 
Zubereitung
Kochen/Warten
Gesamtzeit
 
Low Carb: Fett- und kohlehydratarmes, aber trotzdem ueberaus leckeres Gericht aus Rinderhack, Lauchgemuese, Paprika und Frischkaese.
Autor:
Rezepttyp: Hauptgerichte
Kueche: einfach
Menge reicht fuer: 4 Personen
Zutaten
  • 1 Schalotte, fein gewuerfelt
  • 2 Zehen Knoblauch, fein gewuerfelt
  • 1 EL Olivenoel
  • 600 g Hackfleisch vom Rind
  • 1 Zweig Thymian
  • 600 g Lauch, in Streifen geschnitten
  • 1 Tasse Wasser
  • 120 g Frischkaese, fettreduziert
  • etwas Macis
  • Fleur de Sel
  • Tellicherry-Pfeffer, frisch gemahlen
  • etwas roter Paprika, fein gewuerfelt (optional)
  • etwas Baby-Lauchzwiebel, in feine Ringe geschnitten (optional)
Zubereitung
  1. Zwiebelwuerfel und Knoblauch im Olivenoel glasig duensten
  2. Hackfleisch und Thymianzweig dazu geben und sanft anbraten. Dabei mit etwas Salz und Pfeffer wuerzen.
  3. Thymianzweig entfernen, Lauchgemuese zugeben und kurz mitschmurgeln lassen.
  4. Wasser und Frischkaese zugeben und ein paar Minuten koecheln lassen, bis das Lauchgemuese durch ist, aber noch leichten Biss hat.
  5. Mit Macis, Salz und Pfeffer abschmecken. Weil das Auge mit isst, kannst du mit etwas Paprika und Lauchzwiebel dekorieren.
Hinweise
Aus optischen Gruenden habe ich fuer´s Foto Hackfleisch und Lauchgemuese getrennt zubereitet. Wenn das angebratene Hackfleisch stattdessen im Lauchgemuese durchziehen darf, sieht es zwar nicht mehr ganz so huebsch aus, schmeckt dafuer aber noch besser.
 

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9 Comments

  1. tomatenblüte 16. März 2013 Reply

    Ein wunderbares Essen, wie du es oft bei mir auf dem Teller findest.

    Mehr als drei Kilo musste ich noch nie abnehmen…halte durch bis du dein Wunschgewicht erreicht hast.
    Erst dann beginnt die wirklich harte Zeit…Gewicht halten…das ist die Kunst. Meine drei abgenommenen Kilo kommen immer wieder drauf. Das Verschwinden verursacht jedes Mal mehr Mühe.
    Leider gewöhnt sich der Körper auch schnell an den Verzicht von Kohlenhydraten und reagiert entsprechend schnippisch wenn du wieder ein paar Spätzle essen möchtest…

  2. Wolf Fried 16. März 2013 Reply

    Nicolai Worm, Syndrom X oder Ein Mammut auf dem Teller!
    Lesen und nachdenken … die Hoffnug stirbt zuletzt …

  3. Verena 16. März 2013 Reply

    Ach Dirk, wie unglaublich sympatisch du das beschrieben hast :). Wenn du erstmal den ersten Erfolg bemerkst, dann geht das bestimmt ganz von selbst….und zum Essen, ein wunderbares Gericht. Auch ohne das low carb davor :). Ein schönes Wochenende!

  4. lamiacucina 17. März 2013 Reply

    die Bloggerei hat auch ihre Mitschuld. Die Resten müssen ja auch irgendwie versorgt werden. Seit ich weniger blogge, habe ich auch schon ein Kilo weniger auf den Rippen.

  5. salzpfefferkokos 17. März 2013 Reply

    Wow Dirk, da hast du dir echt Mühe gegeben und die wichtigsten Sachverhalte sehr informativ und nachvollziehbar zusammengefasst! Ich finde das Thema Ernährungsphysiologie schon lange extrem spannend und wäre es nicht Architektur, ich würde ganz sicher was in die Richtig studieren… Viel Erfolg und Durchhaltevermögen wünsch ich dir – und Glückwunsch zur ersten erfolgreich gemeisterten „Gewichtshürde“ :)
    Liebe Grüße und schönen Sonntag!

  6. Author
    Dirk Staudenmaier 17. März 2013 Reply

    Liebe Sybille, da hast du Recht, ich frage mich schon die ganze Zeit, was ich essen soll, wenn ich das Gewicht runter habe. Aber ich denke, wenn ich Kohlehydrate künftig in Maßen esse und dafür viel Gemüse, und mich dazu bei den Süßigkeiten (für die ich als Schokoholic eine Schwäche habe) etwas einschränke, und ein zwei Mal die Woche einen „Spartag“ einlege, dann wird´s schon klappen :-) Danke dir für deinen Zuspruch!!

    Lieber Wolf, danke für den Tipp, ist bereits bestellt. Die „Steinzeiternährung“ interessiert mich seit langem!

    Liebe Verena, wie charmant du immer wieder kommentierst! 😉 Der erste Erfolg ist schon da und ich bin immer noch hoch motiviert… Dir auch noch ein schönes Rest-Wochenende! :-)

    Lieber Robert, ich glaube, dafür blogge ich zu wenig. Würde ich das in deinem Umfang tun (und ich glaube, ich würde, wenn ich die Zeit hätte), dann würde das ganz sicher zutreffen! Bei mir ist es eher der viele Süßkram, und dass ich kein Maß kenne, wenn mir etwas schmeckt. Du weißt schon, ein zweiter Teller Spätzle geht immer… 😉

    Liebe Verena, ich finde das auch sehr interessant. Ich kann mich in so ein Thema richtig reinsteigern und „schlinge“ dann die Informationen förmlich in mich hinein… Nur was die Ernährung angeht, schlägt dann doch immer der „Gusto“ durch. Dafür esse und genieße ich einfach zu gerne und das andere Problem ist: es gibt wirklich nichts, was mir nicht schmeckt! Ich danke dir und wünsche dir auch noch einen schönen Sonntag abend! :-)

  7. Valeska 22. April 2013 Reply

    Viel Erfolg – aber knechte dich nicht zu sehr. Was auch hilft, ist „mehr Bewegen“. Mit dem Rad einkaufen, viel zu Fuß gehen, Treppen steigen statt Aufzug nehmen, jeden Tag ein Ründchen spazieren gehen – da ist dann auch mal ein Stück Schokolade drin, sonst wird man ja unglücklich!

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